Früher dachte ich, einen Hund haben und Urlaub machen, geht gar nicht. Entweder teuer in die Pension oder schlechtes Gewissen die ganze Zeit. Heute weiß ich, dass es geht. Und es wird sogar immer mehr zur Normalität. Über 90 Prozent der Hundebesitzer nehmen ihren Hund mittlerweile mit in den Urlaub. Er ist ja schließlich ein Familienmitglied. Der Hund bestimmt das Reiseziel fast so stark wie die Menschen selbst.
Bei mir ist das keine Frage. Ohne Hund, ohne mich. Tobi kommt immer mit.
Wie wir angefangen haben
Da Tobi, mein sensibler Rumäne, anfangs mit allem überfordert war, gestaltete sich auch der Urlaub alles andere als entspannt. Die erste Autofahrt war ein Drama. Gurtgeschirr auf der Rückbank? Katastrophe. Kofferraum mit Decke und Gitter? Auch nicht sein Ding. Heute läuft es deutlich besser. Ich plane trotzdem immer noch Pausen alle zwei bis drei Stunden ein, damit er sich lösen, schnüffeln und kurz bewegen kann. Nicht zu viel Action auf einmal, das stresst ihn eher.
Mein Tipp für andere: Fang mit kurzen Strecken an. Nicht gleich die 8-Stunden-Fahrt ans Meer, sondern erstmal eine Stunde zum See in der Nähe. Und: Nicht aufgeben. Tobi fährt mittlerweile wie ein alter Hase Bus und Bahn. Das ist Gold wert, weil so auch Kurzurlaube ohne Auto möglich sind.
Tobi am Meer
Tobi war schon zweimal an der Ostsee. Und da habe ich verstanden, warum ich den ganzen Aufwand betreibe.
Er hat Möwen gejagt. Aussichtslos, enthusiastisch, vollkommen überzeugt von sich.
Er hat sich im Tang gesuhlt bis er gestunken hat wie das Meer selbst.
Er stand an der Wasserkante und hat die Wellen beobachtet, als wäre das sein einziger Job. Kein Stress, kein Wachsamsein. Einfach Tobi am Meer.
Für solche Momente fährt man. Nicht für den perfekten Urlaub, sondern für den stinkenden, möwenjagenden Hund am Strand. Und für das Gefühl, wenn er abends völlig ausgepowert neben dir auf der Couch liegt und träumend mit den Pfoten zuckt.
Mein Tempo, seine Regeln
Mit meinem ersten Hund Sammy habe ich viel mehr „Dinge gemacht“. Wir waren ständig unterwegs, volle Action. Bei Tobi merke ich: Ich muss mein Tempo an ihn anpassen. Tobi ist sensibler, braucht mehr Zeit zum Ankommen. Und das ist okay.
Ich war nie der klassische Wellness- oder Museumstyp. Klar, ich mache das ab und zu, aber seit dem Hund habe ich die perfekte Ausrede: „Kann nicht, hab Hund.“
Stattdessen sind unsere Urlaube geprägt von baden, wandern und kleinen Städtetrips. Nichts, was Tobi überfordert.
Bei der Routenplanung schaue ich immer zuerst, ob Hunde erlaubt sind. In Norwegen hatte ich mal eine wunderschöne Wanderroute ausgesucht, bis ich angekommen bin und lesen musste, dass er auf der Route keine Hunde erlaubt sind. Dann bin ich nicht wandern gegangen, sondern wieder gefahren. Der Hund kommt zuerst.
Unterkunft und Versicherung
Nicht überall sind Hunde erlaubt. Ich suche meistens auf Booking oder Airbnb und filtere direkt nach hundefreundlich. Zusätzlich lohnen sich Facebook-Gruppen, da teilen Hundebesitzer echte Erfahrungen mit konkreten Unterkünften und es werden aktiv hundefreundliche Unterkünfte angeboten. Die Auswahl für Hundebesitzer ist in den letzten Jahren definitiv größer geworden.
Seitdem ich in Sachsen-Anhalt wohne, habe ich auch eine Hundehaftpflichtversicherung, weil diese hier gesetzlich vorgeschrieben ist. Meine schließt Schäden im Hotel oder in der Ferienwohnung ein. Das nimmt mir ehrlich gesagt einen großen Teil der Anspannung. Kein Hund ist perfekt und ein zerkratzter Türrahmen oder ein umgeworfenes Weinglas passieren schnell. Mit einer guten Versicherung ist das kein Drama.
Restaurants, Strände und Aktivitäten
Das Angebot für Hunde wird immer größer. In vielen Regionen gibt es inzwischen Hundestrände, Hundewälder und Hundewiesen. Viele Restaurants erlauben Hunde zumindest auf der Terrasse, manche sogar drinnen. Ich schaue vorher kurz auf Google Maps, ob draußen Plätze vorhanden sind und rufe im Zweifel kurz an. Und nicht zu hohe Erwartungen haben, manchmal klappt es, manchmal nicht.
Unsere Aktivitäten sind bewusst entspannt und viel draußen: Hundeparks (am liebsten eingezäunt), Wandern, Toben am Strand. Aber ja, manchmal muss Tobi mich auch auf eine Stadtrundgangs-Runde begleiten und das ist nicht immer sein Ding. Wenn man allein unterwegs ist, gibt es dazu wenig Alternativen. Entweder der Hund wartet im Auto (was nicht immer geht) oder ich begrenze den Ausflug auf das Nötigste – aktiv durchlaufen, Hauptsachen anschauen, fertig. Nicht immer perfekt für mich, aber so entscheide ich: Will ich es mir kurz antun oder lasse ich es bleiben? Oder ich trickse und gehe früh morgens oder spät abends los, wenn es ruhig ist. In Eisenach waren wir z. B. schon vor Öffnungszeit auf der Burg, das fand ich auch herrlich.
Hundefreundlich ist nicht überall gleich
Das merkt man spätestens, wenn man mit einem Hund ins Ausland fährt. Portugal ist mir mit Sammy als ein sehr hundeunfreundliches Land in Erinnerung geblieben. Hunde dürfen dort nicht mal in der Nebensaison an den Strand. Auch nicht an den weitläufigen, menschenleeren Stränden. Wir haben es trotzdem gemacht, aber nicht ohne schlechtes Gewissen.
Während Italien das komplette Gegenteil ist. Hunde sind in Restaurants selbstverständlich, man bekommt unaufgefordert einen Wassernapf hingestellt und niemand schaut komisch. Der Hund gehört einfach dazu. Genau deshalb freue ich mich so auf den kommenden Trip mit Tobi. Wenn er in Italien die gleiche Energie hat wie an der Ostsee, werden die Tauben dort ihr blaues Wunder erleben.
Der Papierkram für Europa
Der blaue EU-Heimtierausweis ist Pflicht bei einer Reise innerhalb der EU. Dazu Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung. Für Norwegen (u.a.) kommt noch eine Bandwurmbehandlung vor Einreise dazu. Aber das habe ich bereits mit Sammy hinter mir und war unkomplizierter als gedacht.
Achtung: Seit 2026 verlangen einige Länder wie Frankreich oder Spanien eine extra digitale Anmeldung. Regeln ändern sich – immer vor Abreise prüfen!
Urlaub mit Hund – immer wieder
Urlaub mit einem Tierschutzhund ist kein Instagram-perfekter Feed. Es ist Pausen einplanen, Dokumente checken, mal improvisieren und am Ende merken, dass es schön ist, dass der Hund einfach mit dabei ist. Manchmal kommt er entspannter nach Hause als ich. Und das fühlt sich verdammt richtig an.
Wir stehen kurz vor unserem nächsten Urlaub und ich heize Tobi bereits seit Tagen ein, dass wir bald nach Italien fahren. Er ist mittlerweile auch total aufgeregt 😍
👉 Fährst du mit deinem Hund in den Urlaub? Und wenn ja, wohin? Schreib es mir in die Kommentare!
