Warum sie und mein Tierschutzhund Tobi Welten trennen
Bevor Tobi in mein Leben kam, gab es Sammy. Mein erster Straßenhund aus dem Ausland. Eine Hündin, die mein Leben für immer verändert hat.
Sammy kam nicht geplant zu mir, eigentlich wie fast alles Gute in meinem Leben. Aber manchmal sind es genau diese ungeplanten Momente, die am Ende die wichtigsten werden.
Wie ich meinen ersten Straßenhund in Thailand adoptierte
Im Herbst 2012 zog ich nach Chiang Mai in Thailand. Dort gehören Straßenhunde zum Stadtbild, aber man rechnet nicht damit, plötzlich selbst einen zu besitzen. Durch einen Zufall in einer Facebook-Gruppe landete ich bei einem zuckersüßen Hunderudel, das ohne Mutter gefunden wurde und nun zur Pflege bei einem amerikanischen Lehrerpärchen wartete. Ich wollte nach der Arbeit nur mal gucken…
Eine Stunde später saß ein etwa vier Monate alter Welpe in meiner Abercrombie & Fitch Tasche auf meinem Schoß, während ich mit dem Moped quer durch die Stadt nach Hause knatterte. Ich war auf keinen Hund vorbereitet. Kein Futter, kein Körbchen, keine Ahnung von dem, was jetzt kommen würde. Aber Sammy hatte sofort einen festen Platz bei uns gefunden.
Charakterstarker Straßenhund mit Freiheitsdrang
Sammy war eine Erscheinung. Ein Albino mit blauen Augen, rosa Nase und fast keinem Fell am Bauch. Sie war ein absoluter Sommerhund. Trotz regelmäßiger Sonnenbrände liebte sie die Sonne über alles, während sie Regen und Dunkelheit abgrundtief verabscheute.
Was Sammy nie hatte, war ein „Will to Please“. Sie wollte niemanden beeindrucken. Kommandos interessierten sie nicht. Bälle oder Stöckchen waren unter ihrer Würde. Dafür besaß sie einen Freiheitsdrang, der grenzenlos war.
Als wir später auf einer Ranch in Kanada lebten, durfte sie als ehemaliger Straßenhund genau diesen Freiheitsdrang ausleben. Natur, Weite und Begegnungen mit Biber, Wolf und Bär wurden zu ihrem Alltag. Draußen war Sammy wild und ungebändigt. Drinnen verwandelte sie sich in eine Katze, die sich selbstgenügsam ihren Platz suchte und stundenlang schlief.
Leben und Reisen mit meinem Straßenhund
Als wir zurück in Europa waren, verschmolzen wir zu einer Einheit. „Us girls“ nannte ich uns. Wir wurden unzertrennlich und reisten gemeinsam durch ganz Europa – vom Nordkap bis nach Sizilien, von Rumänien bis Portugal.


Als junger Hund hatte Sammy noch jede Chance genutzt, um einfach abzuhauen. Jede offene Tür war eine Einladung. Doch dieser Drang ließ irgendwann nach. Die einstige Ausreißerin wurde zu einer so verlässlichen Begleiterin, dass ich sogar die Autotür offenlassen konnte, ohne mir Sorgen zu machen.
Durch ihr ungewöhnliches Aussehen und auch ihr divenhaftes Auftreten – sie stolzierte regelrecht und ignorierte alle Menschen – habe ich sie immer meine kleine Prinzessin genannt.
Sie war präsent, selbstbewusst und ihrem Menschenrudel treu und liebevoll zugeneigt. Alle anderen Menschen waren ihr schlichtweg egal. Sie suchte keine Aufmerksamkeit von Fremden und brauchte niemanden außer ihren vertrauten Kreis. Genau das machte sie für mich noch faszinierender.
Der schmerzhafte Abschied
Dann kam der Krebs. Alles ging unfassbar schnell. Plötzlich stand ich vor der schwersten Entscheidung meines Lebens. Ich musste sie einschläfern lassen. Rückblickend weiß ich, dass ich mich ein paar Tage früher hätte entscheiden müssen. Aber ich war nicht so weit.
Zur gleichen Zeit verlor ich meinen Vater. Ich fiel in ein tiefes und dunkles Loch. Ich erlebte Trauer auf mehreren Ebenen gleichzeitig und fühlte mich oft vollkommen verloren. Alles fühlte sich leer an. Die Wohnung, mein Auto und mein ganzes Leben schienen stillzustehen. Überall fehlte sie schmerzlich.
Es ist leider eine traurige Gewissheit, dass man seinen Hund fast immer überlebt – und trotzdem ist man nie darauf vorbereitet. Man kann es einfach nicht sein.
Das Blöde an Hunden ist, dass sie nicht für immer leben. ❤️
Tierschutzhund Tobi vs. Straßenhund Sammy – zwei Welten
Und dann kam Tobi. Ein schüchterner, vorsichtiger Tierschutzhund aus Rumänien. Am Anfang dachte ich, der Gegensatz zu Sammy könnte kaum größer sein. Sammy war die selbstbewusste Chefin, die ihr eigenes Ding machte. Tobi ist der Hund, der gefallen möchte und die Nähe sucht, auch wenn er manchmal noch Angst davor hat.
Sammy war drinnen tiefenentspannt, während Tobi oft ruhelos ist und lange braucht, um abzuschalten. Doch je länger Tobi bei mir ist, desto mehr merke ich, dass ich ihm mit diesem Vergleich am Anfang gar nicht gerecht geworden bin. Sammy war eine Straßenkämpferin und von Anfang an extrem selbstbewusst. Aber auch Tobi wird von Tag zu Tag entspannter und zeigt mir, wie viel Sammy eigentlich in ihm steckt.
Mehr Gemeinsamkeiten als gedacht
Wenn ich genau hinsehe, blitzen die Ähnlichkeiten immer wieder durch. Beide haben diesen ausgeprägten Jagdtrieb und sind leidenschaftliche Katzenjäger. Auch ihr Reich verteidigen beide mit vollem Einsatz. Wo Sammy Fremden gegenüber eher gleichgültig war, möchte Tobi zwar zu jedem Hund hin, aber beide teilen diese grundlegende Neugier gepaart mit einer gesunden Zurückhaltung gegenüber neuen Situationen und Menschen.
Sogar kulinarisch sind sie sich einig. Die Gourmet Ansprüche haben sich bei beiden erstaunlich schnell entwickelt. Innerhalb von nur einem Jahr wurden aus den ehemaligen Straßenhunden echte Feinschmecker. Da wird nicht mehr jedes Futter genommen, es könnte ja noch etwas Besseres um die Ecke kommen.

Und die größte Gemeinsamkeit? Beide haben die absolute Fähigkeit, mich komplett um den Finger zu wickeln. Und beide finden Selfies absolut doof. Aber wenn man seinen Hund liebt, dann drückt man ihn an sich, knutscht ihn und sagt ihm immer wieder, wie sehr man ihn liebt. Sammy und Tobi sind sich da einig: Dog(s) hate me 😉
Kurz zusammengefasst:
Sammy kam als Straßenhund aus Thailand zu mir, Tobi als Tierschutzhund aus Rumänien. Zwei Hunde, zwei Charaktere und zwei völlig unterschiedliche Wege, Liebe zu lernen. Aber am Ende sind sie sich ähnlicher, als ich es am ersten Tag mit Tobi je für möglich gehalten hätte.
Warum es den „richtigen“ Zeitpunkt nicht gibt
Viele fragen mich, wie ich mich nach dem Verlust von Sammy wieder für einen Hund entscheiden konnte. Zwischen Sammy und Tobi lagen 14 Monate. Manchmal herrscht die Vorstellung, dass man entweder ewig warten muss oder nach einem Verlust nie wieder ein Tier zu sich nimmt. Manche suchen auch jahrelang nach einem Hund, der exakt so aussieht wie der letzte, um den Schmerz zu lindern.
Doch letztlich ist es wie mit allen großen Entscheidungen im Leben – egal ob es um Kinder, einen Jobwechsel oder eben einen (neuen) Hund geht: Es gibt nicht diesen einen perfekten Moment, auf den man warten kann oder muss. Man macht den Zeitpunkt einfach selbst richtig. Wenn man etwas wirklich will, dann setzt man alles daran, dass es funktioniert.
Kein Ersatz, sondern ein neues Kapitel
Tobi ist nicht hier, um die Lücke zu füllen, die Sammy hinterlassen hat. Das könnte er gar nicht und das will ich auch nicht. Kein Hund kann dort anschließen, wo ein anderer aufgehört hat.
Tobi schreibt seine eigene Geschichte und das ist gut so. Ich habe gelernt, dass gerade die Unterschiede mich wachsen lassen. Tobi fordert mich auf eine Weise, die Sammy nie getan hätte. Er braucht Geduld, Kraft und manchmal starke Nerven. Genau das macht unsere Beziehung so wertvoll.
Tierschutz ist eine Reise
Man verliebt sich, man verzweifelt manchmal, aber am Ende wächst man zusammen. Jeder Hund bringt seine eigene Art zu lieben und geliebt zu werden mit.
Sammy war meine Abenteurerin. Tobi ist mein Seelenprojekt. Zwei völlig unterschiedliche Seelen, die mir beide gezeigt haben, dass Liebe nicht aufhört. Sie verändert nur ihre Form.
👉 Was sagst du dazu? Hast du auch so unterschiedliche Charaktere bei deinen Hunden erlebt? Oder wartest du noch auf den „perfekten“ Moment für einen Hund?
Schreib es mir in die Kommentare! 💬🐕✨
