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Wie Tobi zu mir kam – mein Weg zu einem Hund aus dem Tierschutz

Manchmal kommt ein Hund genau dann ins Leben, wenn man ihn am meisten braucht – auch wenn man das vielleicht erst später erkennt. So war es auch bei mir und Tobi.

Der Schmerz und die Entscheidung

Ich hatte bereits einen Hund. Sie war mein Seelenhund, auch ein Straßenhund – wild, frei und mit einem Herzen, das sich ganz leise an meins gekettet hatte. Doch ganz plötzlich war sie nicht mehr da. Der Schock, der Schmerz, die Leere – es zerriss mir das Herz. Ich ging weiterhin auf Nicht-Gassi-Runden, einfach weil mein Körper es nicht anders kannte.

In der Zwischenzeit reiste ich viel, unter anderem nach England und Irland, wo ich House- und Petsitting machte. Einmal betreute ich zwei Dalmatiner, später einen Whippet. Und jedes Mal rief mein Herz ein bisschen lauter: Ich will wieder einen eigenen Hund.

Ich wusste, dass ich irgendwann wieder einem Hund ein Zuhause geben wollte. Aber es würde nicht irgendein Hund sein. Es sollte wieder ein ungewollter Hund sein – einer von der Straße, einer, der wie ich ein bisschen kaputt und voller Hoffnung ist.

Die Suche beginnt – aber wo überhaupt anfangen?

Also begann ich zu suchen. Zuerst ganz klassisch über eBay Kleinanzeigen, lokale Tierheime und unzählige Webseiten. Was viele nicht wissen: Es gibt eine riesige Anzahl an Tierschutzorganisationen, die Hunde aus dem Ausland vermitteln. Das machte den Prozess nicht nur unübersichtlich, sondern manchmal auch frustrierend.

Ich stellte viele Anfragen und bekam keine Antworten. Ich weiß, dass die Vereine meistens ehrenamtlich arbeiten und überlastet sind, aber es war trotzdem frustrierend. Schlimmer als Tinder.

Zufall oder Schicksal – der Wendepunkt

Und dann kam der Zufall, das Schicksal oder einfach Glück: Eine Arbeitskollegin nannte mir einen kleinen Tierschutzverein – Targu Jiu Notpfoten. Der komplette Austausch lief über Facebook. Dann hat es wohl doch was Gutes, dass ich mich noch nicht abgemeldet habe.

Ich klickte mich durch die Fotos. Viele Hunde, viele Geschichten. Ich schaute mir Hunde an wie Bräute im Katalog. Doch dann kam Tobi – damals hieß er noch Cody. Obwohl der Verein meinte, sein Bruder passe besser zu meinen Vorstellungen, ließ mich etwas an Tobis Blick nicht mehr los.

Ich hatte meinen Hund gefunden.

Der Adoptionsprozess: Struktur statt Wildwuchs

Ich war positiv überrascht, wie professionell alles organisiert war. Der Verein hatte nicht nur detaillierte Informationen zu Tobi, sondern war auch offen für Rückfragen. Es wurde nichts beschönigt – mir wurde ehrlich gesagt, dass es auch Rückschritte geben kann, dass ein Hund aus Rumänien Zeit braucht und dass man Geduld mitbringen muss.

Der sorgfältige Adoptionsprozess umfasste mehrere sinnvolle Schritte:

  • Schriftliche Selbstauskunft: Detaillierte Fragen zur Lebenssituation, Hundeerfahrung und Motivation
  • Vorkontrolle der Wohnverhältnisse: Ein persönlicher Besuch im Auftrag des Vereins, um zu sehen, wie ich lebe, ob alles hundesicher ist und ob ich wirklich bereit für diese Verantwortung bin
  • Einverständnis des Vermieters: Die Bestätigung, dass ich in der Mietwohnung einen Hund halten darf
  • Schutzgebühr: Zur Deckung von Kosten für Impfungen, Kastration und Reise
  • Pflicht zur Registrierung bei TASSO: Um Tobi für den Ernstfall abzusichern

Letztlich ging es darum sicherzustellen, dass ich nicht nur nett wirke, sondern auch wirklich weiß, worauf ich mich einlasse.

Spoiler: Ich wusste es nicht. Aber ich war bereit, es zu lernen.

Nach einem positiven Bescheid begann das Schlimmste…

Die längsten zwei Wochen: Warten, Zweifeln, Putzen

Warten ist nicht mein Ding. Das waren die längsten zwei Wochen meines Lebens.

Ich war nervös. Meine Wohnung war nie so sauber. Ich musste mich beschäftigen, um bloß nicht zu viel nachzudenken. Weil Zweifel aufkamen: Bin ich bereit? Habe ich den Tod meines ersten Hundes genug betrauert? Ist es eine verrückte Idee, sich einen Hund im Internet auszusuchen? Was ist, wenn Tobi mich nicht leiden kann?

Ich erzählte nur meiner engen Familie, dass Tobi kommt. Ich hatte Angst, dass noch etwas schiefgehen könnte, dass er vielleicht doch nicht kommt. Ich wollte mich vor der Enttäuschung schützen.

Tobis Reise wurde für den 06.11.2024 gebucht. Was ich bis dahin noch nicht wusste: Er wurde mit einem Transporter aus Rumänien direkt bis vor meine Haustür „geliefert“. Eine logistische Meisterleistung, die zeigt, wie organisiert der Transport von Tierschutztieren ist.

Tobis Reise begann am 05.11. und er kam am 07.11.2024 um 11:30 Uhr bei mir an. Den Abend vorher hätte ich die Tapete von den Wänden reißen können, so aufgeregt war ich.

Deine Geschichte?

Einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren ist kein einfacher Prozess – und das ist gut so. Man muss Geduld mitbringen und bereit sein, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber wenn man dranbleibt, kann man – wie ich mit Tobi – genau den Hund finden, der zu einem passt.

Habt ihr auch einen Hund aus dem Tierschutz adoptiert?
Wie lief bei euch die Suche oder das erste Kennenlernen?

Ich freue mich riesig, wenn ihr eure Geschichte in den Kommentaren teilt!


PS: Aber über die Ankunft – und wie dieser Hund, der mir in die Arme gedrückt wurde, mein Leben auf den Kopf gestellt hat – erzähle ich euch im nächsten Beitrag. Denn ich werde niemals den Tag vergessen, an dem ich meinen Hund das erste Mal getroffen habe.

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